Die Bälle fliegen wieder…

Auf immensen Druck der Gremien, Kommissionen und des Untersuchungsausschusses des Vereins, berichten wir leider ein wenig verspätet über unseren verdienten ersten 3:1-Auswärtssieg in Eberstadt.

In diesen unruhigen Zeiten haben wir als Mannschaft mal was ganz Verrücktes gemacht: Wir bestritten einen Spieltag und hatten auch noch Spaß dabei: Ja, wie crazy ist das denn?

Allen Widrigkeiten zum Trotz starten wir in die Saison, auch wenn der erste Spieltag gleich erstmal verlegt werden musste. Die meisten waren diesbezüglich nicht allzu traurig darüber, denn letztendlich sind unsere Rahmenbedingungen in dieser Saison mehr als dürftig. Unsere Halle wird ja bekanntermaßen renoviert und wir sind auf die Hilfe der anderen Abteilungen und externer Vereine angewiesen. Zum Glück und dankenswerterweise konnten wir zwei derzeit regelmäßige Trainingszeiten für uns einheimsen und die Vorbereitung auf eine ungewöhnliche Saison konnte starten. Natürlich unter der Maßgabe aller hygienischen Maßnahmen und Vorgaben, ist doch logisch.

Unser erstes Spiel treibt uns also nach Eberstadt. Ohne zu wissen was uns eigentlich erwartet und wie wir die kommenden Spiele ohne die teuer bezahlten Fans und Hooligans bestreiten sollen, betraten wir händedesinfizierend die gegnerische Halle und wurden von einem durchaus sympathischen Gegner in Empfang genommen. Jetzt hieß es erstmal das Schiedsgericht zu stellen. Warum das jetzt hier Erwähnung findet? Nun ja, das digitale Zeitalter hat jetzt auch den Volleyball erreicht und die Spielberichtsbögen werden mit Hilfe eines Tablets idiotensicher digital erfasst und weitergeleitet. Die Sorge von gerade älteren Spielern, dass dieses Internetz doch nicht sein muss und warum man nicht beim alten Pergamentspielbogen bleibt ist unbegründet. Mittlerweile ist es ja so, dass schon im Kindesalter neben einem Saugstöpsel auch ein digitales Endgerät mit in den Brutkasten gelegt wird, so dass der Schritt einer digitalen Spielerfassung fast schon Space-Force-mäßig zukunftsorientiert erscheint. Bin gespannt, ob wir es trotzdem schaffen eine Strafe vom Verband zu kassieren, weil wir irgendetwas falsch gemacht haben. Und wenn nicht, freut das unser internes Inkasso-Unternehmen namens „Bierfreund“ umso mehr, denn die dann freigewordenen Gelder können zielgerichtet in diversen Getränkemärkten gewaschen werden.

Kommen wir endlich zum Spiel. Der erste Satz verlief unsererseits noch sehr verhalten und nervös. Viele Eigenfehler und die Umstellung auf ein doch schneller gewordenes Spiel in der neuen Spielklasse, machte es uns dann doch ein wenig schwerer als gedacht. Unsere Annahme und der darauf folgende Spielaufbau waren im ersten Satz zu durchschaubar. Hinzukommend haben wir nicht gut aufgeschlagen und konnten dem Gegner in Block und Abwehr kein Paroli bieten. Mit einer taktischen Mannschaftsumstellung im zweiten Satz kamen wir besser ins Spiel. Auch die taktischen Vorgaben wurden besser umgesetzt und durch gezielte Aufschläge konnten wir uns besser auf den gegnerischen Angriff einstellen. Immer mutiger werdend, probierten wir auch in unserem Angriff ein erhöhtes Tempo zu forcieren und konnten dadurch sehenswerte Angriffe ins Feld bomben. Kleinere Unstimmigkeiten beim Spielaufbau konnten schnell abgestellt werden und man konzentrierte sich schnellstmöglich auf den nächsten Ballwechsel. Den zweiten Satz gewinnen wir erstaunlicherweise unbedrängt. Der dritte Satz war dann wieder typisch für uns. Total verpennt und immer noch zu erstaunt über den ersten Satzgewinn, stand es schnell 5:0 für den Gegner. Leicht angepisst und verständnislos reagierte dann auch der Trainer. Zum Glück hat die darauffolgende Auszeit was gebracht und wir starteten die Aufholjagd. Am Ende konnten wir den Rückstand aufholen und selbst eine nachher auch zugegebene Fehlentscheidung des Schiedsgerichts beim Spielstand von 23:22 konnte uns den Satzgewinn nicht mehr nehmen. Coole Sache. Den ersten Punkt in der Tabelle konnte man schon mal verbuchen. Letztendlich war aber an dem Spieltag mehr drin. Spätestens nachdem unser einziger Glatzenträger sein letztes Kopfhaar beim Sichern seines eigenen Angriffes verlor und damit ein nicht unerhebliches Opfer für sein Team brachte, wurde uns bewusst, dass wir dieses Spiel auch gewinnen können. Den herausgespielten Vorsprung im vierten Satz konnten wir halten und die anerkennende kämpferische Leistung des Gegners hat nicht mehr gereicht, uns den Sieg streitig zu machen.

Eine ausgelassene Siegesfeier gab es anschließend außerhalb der Halle.

Am 31.10. soll es gegen unseren nächsten Gegner Eintracht Frankfurt weitergehen. Wir sind gespannt, ob der Spieltag tatsächlich unter den gegebenen Umständen stattfindet. Im Endeffekt ist es auch schnuppe. Diese Saison verläuft jetzt schon anders als alle Saisons davor und hoffentlich auch danach. Wir als Team haben uns jedenfalls vorgenommen, ohne großen Druck und mit einer gesunden Einstellung stattfindende Spieltage zu bestreiten, jedoch nicht über das Maß an einer möglichen Selbstgefährdung. Wahrscheinlich werden Spielverlegungen in naher Zukunft noch häufiger vorkommen. Wir sind gespannt was passiert und atmen weiter locker durch die Maske und halten ein wenig Abstand. Ist doch eigentlich nicht zu viel verlangt, auch wenn es diverse Meinungen, Theorien, Fake News und mehrdeutige Wahrheiten gibt. Bricht es uns wirklich nen Zacken aus der Krone, wenn wir eine Bedeckung um den Riechkolben und die Gosch tragen und ein wenig auf Abstand gehen? Eine Menschenrechtsverletzung sollte dies mitnichten darstellen. Der Weg ist derzeit eher grau als schwarz oder weiß! Ja, wie crazy ist das denn?

Ein Bick auf die Tabelle