„Das Spiel wird uns ein Leben lang begleiten“ Vor 40 Jahren DFB Pokalspiel in Schalke

 

Normalerweise ist das Hotel Maritim in Gelsenkirchen an Wochenenden für Bundesligamannschaften reserviert, doch in der Nacht zum 20.August 1977 durften die Kicker des TSV Bleidenstadt in der Nobelherberge ihre Zimmer beziehen.

Nachdem der Landesligist in der 1.Runde des DFB Pokal sensationell den Zweitligisten Wattenscheid mit 2:1 nach Verlängerung eliminiert hatten, stand nun das Spiel des Jahres an, gegen Schalke 04. Ein Drittel der deutschen Nationalmannschaft, unter anderem Torjäger Klaus Fischer, bildete das Gerüst des Topfavoriten aus der Bundesliga.

Als die Bleischter rund 2 Stunden vor Spielbeginn das große Rund im Parkstadion betraten, da winkten ihnen 110 Fans aus Bleidenstadt zu. Sie hatten vom Bundesligisten Freikarten erhalten.

Trainer Willi Löhr hatte sein Team akribisch auf die Schalker eingestellt, doch es verging nur rund 1 Minute, das erzielte Hannes Bongartz bereits die Führung, wenig später stand es dann schon 2:0.

Eine zweistellige Niederlage schien sich anzubahnen, doch der TSV überraschte den Bundesligist mit seiner Disziplin und seinem Einsatzwillen.

Und dann kam die 24. Minute: Rudi Schlossbauer erzielte den Anschlusstreffer! Ein Tor gegen den Bundesligisten, ein Traum ging in Erfüllung.

Zur Pause stand es „nur“ 4:1 für Schalke, und Schlossbauer und Co genossen die Rolltreppe bei der Auffahrt zu den Kabinen.

In der 2.Halbzeit wehrte sich der TSV vorbildlich, und auch wenn Klaus Fischer insgesamt 4mal beim 8:1 Sieg traf, hatte sich die Defensivarbeit des TSV ausgezahlt.

„Der Gegner ist sehr fair aufgetreten“, so lobte Schalkes Trainer Friedel Rausch unseren TSV.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Als Lohn gab es die Trikots der Schalker Spieler als Geschenk und TSV Fußballabteilungsleiter Gerd Rüppel konnte 40.000 D-Mark als „Schmerzensgeld“ mit nach Hause nehmen. „Damit ist unser Etat für die nächsten 2 Jahre erst einmal gesichert“, gab Gerd Rüppel schmunzelnd zu Protokoll.

Ein Teil des Geldes wanderte in die Mannschaftskasse der „Helden“ von Gelsenkirchen.

Noch heute hat der Wimpel dieses denkwürdigen Spiels ebenso einen Ehrenplatz im TSV-Vereinsheim wie das Mannschaftsfoto.

Und 40 Jahre danach wird sich unter der Regie von Gerd Rüppel ein Grossteil des Teams wieder auf den Weg nach Gelsenkirchen machen, doch nicht in das altehrwürdige Parkstadion, das heute in veränderter Form als Trainingsplatz der Profis von Schalke dient, sondern in die Veltins-Arena, um der Bundesligapartie zwischen Schalke und Leverkusen beizuwohnen. Und natürlich wird an diesem Wochenende viel über das Pokalspiel vom 20.8.1977 diskutiert und so manch Anekdote ausgetauscht.

 

 

Statistik

 

Unsere Mannschaft:

Helmuth Lohse (verstorben) – Alfred Hollinger, Norbert Schulz, Willi Löhr, Jürgen Mielke – Dieter Schulz, Rudi Schloßbauer, Bernd Hollinger, Jupp Schmidt – Siegbert Eckl (59. Günter Gebauer), Helmut Schloßbauer (59. Walter Pichl).

 

Zum Kader gehörten noch: ETW Dieter Gleißner , Eberhard Ohl, Alfred Schön.

 

Betreuer: Gerhard Rüppel, Wolfgang Geißinger, Franz Deuser (verstorben), Kurt Kaltwasser (Masseur), Rudi Jakobi (Kassierer).

 

Die Schalker Aufstellung

Maric – Thiele, Rüßmann, Dörmann (68. Demange), H. Kremers (46. Dubski) – Lütkebohmert, Schipper, Bongartz – Abramczik, Fischer, E. Kremers.

 

Torfolge: 1:0 (1.) Bongartz; 2:0 (15.) Fischer; 2:1 (24.) R. Schloßbauer; 3:1 (36.) H. Kremers; 4:1 (42.) E. Kremers; 5:1 (54.) + 6:1 (63.) + 7:1 (64.) alle Fischer; 8:1 (74.) Abramczik.