120 Jahre TSV Taunusstein-Bleidenstadt e.V.

Am 24. März 1901 erfolgte die Gründung als Turnverein. In den ersten 45 Jahren unterbrachen vor allem zwei Weltkriege immer wieder die beginnende sportliche Bewegung. Höhepunkte wie Fahnenweihe, Gauturnfeste u.a. 1922 auch in Bleidenstadt und der Bau einer Turnhalle 1928 prägten das Vereinsleben bis die Nazi-Herrschaft die Turnhalle wieder enteignete und der zweite Weltkrieg alles zum Erliegen brachte.

1946 belebten zunächst Fußballer wieder das sportliche Treiben in Bleidenstadt. Der Turnverein wurde als Turn- und Sportverein (TSV) im März 1946 wiedergegründet. An Turnen war noch nicht zu denken, die Turnhalle blieb enteignet und der einzige Saalbau Conradi war mit Flüchtlingen aus den ehemaligen deutschen Ostgebieten belegt.

Die Fußballer waren in den ersten Jahren damit beschäftigt, auf der alten Viehweide einen neuen Sportplatz zu errichten. Danach stellten sich erste sportliche Erfolge ein. Aufstieg in die A-Klasse und auch ein erster Bezirkspokalsieg an der Waldstraße in Wiesbaden mit einem 2:1 über Ahlbach (Krs. Limburg). Danach schlug man Olympia Lampertheim, ehe man mit einem 2:6 an Germania Bieber (Krs. Offenbach) scheiterte.

1954 meldete sich die Turnabteilung zurück und trat 1956 erstmals mit einem Schau- und Werbeturnen in der neuen Schulturnhalle vor die Öffentlichkeit. Bereits 1958 fand das Gauturnfest in Bleidenstadt statt und die ersten Turngau-Gerätemeisterschaften.

In den 60er Jahren des vorigen Jahrhunderts prägten Bautätigkeiten das Vereinsleben. Es entstand 1961 ein neuer Sportplatz am heutigen Röderweg und 1964 eine Umkleidehalle mit Duschen. Vorbei die Fußmärsche von der Ortsmitte zum Sportplatz vor und nach einem Fußballspiel. 1976 erweiterte man die Umkleidehalle zum TSV-Vereinsheim. In der Turnabteilung regten sich neue Sportarten wie Tischtennis, Volleyball, Handball, Faustball, Badminton und Rhönrad, was später größere Bedeutung erlangen sollte. 

Ziemlich einher gingen Anfang der 70er Jahre der Bau des Sport- und Jugendzentrums mit moderner Dreifelder-Sporthalle, die Entwicklung des Vereins auf über 1.000 Mitglieder, die Verschmelzung der Gemeinde Bleidenstadt mit den Nachbargemeinden zur Stadt Taunusstein und eine Vereinsreform. Aus einigen Sportgruppen in der Turnabteilung wurden eigenständige Abteilungen wie Badminton, Bogenschießen, Handball, Tischtennis und Volleyball. Die Finanzen im Verein wurden neu geordnet in die Selbstverwaltung der Abteilungen, was man heute Budgetierung nennt. Die TSV-Bogenschützen, die sogar einmal eine Weltmeisterin stellten, wechselten zum SV Aarfalke Wehen. Dafür gründete sich im TSV eine Abteilung Judo/Ju-Jutsu. Der TSV wurde 1973 zum TSV Taunusstein-Bleidenstadt.

In den 1970er Jahren erlebten die TSV-Fußballer ihre Hochzeit mit dem Aufstieg 1970 in die damalige Bezirksliga und 1973 in die Landesliga Hessen-Mitte, seinerzeit die vierthöchste Liga im deutschen Fußball. Vor allem waren es aber auch elf Kreispokalsiege, drei Bezirkspokalsiege und insgesamt sechs Spiele im Vereinspokal des Deutschen Fußball-Bundes mit Siegen gegen die Zweitbundesligisten FC Homburg/Saar und SG Wattenscheid 09 und dem Höhepunkt 1977 mit dem Pokalspiel beim mit Nationalspielern gespickten Bundesligisten und damaligen Deutschen Vizemeisters FC Schalke 04.

Gleichzeitig entwickelten sich in der Turnabteilung die Sportgruppen wie Ballett, Faustball, Gymnastik, Kinderturnen, Leichtathletik, Rhönrad, Ski-Gymnastik, Schwimmen, Sportabzeichen und vor allem auch der Therapiesport. Es gründete sich auch die bis heute lebendige Gruppe Männer-Spiele-Sport. Der TSV wird nicht nur größer, sondern auch vielfältiger.

Anfang der 1980er Jahre sind es die Sanierung des Hartplatzes am Sportfeld Röderweg mit Flutlicht- und Beregnungsanlage sowie Kleinfeld und der Bau einer weiteren Dreifelder-Sporthalle des Kreises am Gymnasium, die das Sportleben etwas entzerren. Aber auch sonst tat sich eine Menge beim TSV. Faustballer schafften es bis in die 2. Bundesliga, die Rhönradler begannen zunächst nationale Titel zu sammeln und veranstalteten 1986 sogar die 25. Deutschen Meisterschaften im Sport- und Jugendzentrum. Tischtennisspieler stiegen in die Bezirksliga auf, die Volleyballer schafften es sogar bis in die Regionalliga und errichteten 1990 ein Beach-Volleyball-Feld. Badminton-Mannschaften erreichten die Bezirksliga und die Handballer, die seit 1974 eine SG Taunusstein gemeinsam mit dem TuS Hahn bildeten, stiegen auch bis in die Bezirksliga auf.

Vor allem war es in allen Bereichen auch immer die gute Jugendarbeit, die die Basis für spätere sportliche Erfolge bildete und für die auch mehrfach Auszeichnungen erfolgten. Der TSV hatte zeitweise über 2.000 Mitglieder.

In den 1990er Jahren prägten dann vor allem auch die nationalen und internationalen Erfolge der TSV-Rhönradler das Vereinsleben. Die Ausrichtung nationaler Meisterschaften wurden beim TSV zum Standard und der Höhepunkt war die Ausrichtung der 3. Weltmeisterschaften im Rhönradturnen im Jahr 1999 in der Limburger Heinz-Wolf-Halle.

Dem Gesundheitssport kam in der Turnabteilung immer größere Bedeutung zu und dem TSV wurde zwischen 1994 und 2000 viermal das Prädikat „Pluspunkt Gesundheit“ vom Deutschen Turner-Bund verliehen.

Ebenfalls ab 1999 spielten die Fußballer auf ihrem ersten Kunstrasen am Röderweg, der 2014 noch einmal erneuert wurde. Neben den internationalen Kontakten mit den Taunussteiner Städtepartnern in Europa knüpften die Fußballer auch interkontinentale Kontakte nach Japan, empfingen mehrfach japanische Delegationen und besuchten auch 1998 mit einer Jugendfußballdelegation die japanischen Freunde in Nagahama in der Präfektur Shiga.

In den ersten beiden Jahrzehnten des laufenden Jahrhunderts blieben die Erfolge der Rhönradler auf nationaler und internationaler Ebene die herausragenden Ereignisse. In vielen Bereichen kämpfte der TSV mit einem Strukturwandel und ging auch mehrere Kooperationen ein. Die Rhönradler sind heute in einer Gemeinschaft mit dem SV Neuhof, die Handballer der SG Taunusstein schlossen sich mit dem TV Bad Schwalbach zu einer HSG Obere Aar zusammen. Die Jugendfußballer spielen ab dem D-Jugendalter gemeinsam mit dem SV Seitzenhahn, dem TuS Hahn und dem SV Neuhof im Jugendförderverein Taunusstein. Wie viele Vereine kämpfte auch der TSV gegen einen Mitgliederverlust, der sich durch den Einbruch im Gesundheitssport, durch den Ausstieg der Krankenkassen und der Eingliederung der Abt. Judo/Ju-Jutsu zum BSC Taunusstein verstärkte.

Um die von der Stadt auf die Vereine umgelegten Unterhaltungskosten für die Sportanlagen stemmen zu können, mussten die Mitgliedsbeiträge verdoppelt werden.

Im Jubiläumsjahr 2021 besteht der TSV aus den Abteilungen Badminton, Handball, Fußball, Rhönrad, Tischtennis, Turnen und Volleyball, belegt mehrere Sporthallen und das Kunstrasenstadion mit neuer, leistungsfähiger LED-Flutlichtanlage und blickt am Röderweg dem Neubau eines Vereinsheims entgegen, nach dem das alte und in die Jahre gekommene TSV-Heim abgerissen werden musste.

G. Rüppel (Ehrenmitglied des TSV)